Hallo liebes Forum,
wir haben seit 2 Monaten ein Kaninchen bei uns in Pflege, das wir jetzt dauerhaft übernehmen dürfen. Es gehörte bis gestern unseren Nachbarn bzw dem 6 jährigen Kind der Nachbarn- warv ein Geschenk zum 3. Geburtstag. Ursprünglich hatte das Kind 2 Kaninchen bekommen eine ist aber wohl recht schnell gestorben. Seitdem war der unkastrierte Block den ganzen Tag alleine in seinem Stall. Da er ganz schön bissig ist, wurde er kaum versorgt und saß mit Trockenfutter oder gerne auch mal ohne alles in seinem Dreck. (Gibt es hier wutschnaubende Kotzsmileys?)
Im Frühling bekam das andere Nachbarkind ebenfalls ein Kaninchenbaby- weiblich und winzig klein. Sie kam in ein extra Stall neben den Bock und sollte erstmal groß genug werden, bevor sie zusammen wohnen und Babys bekommen sollten.
Ich hatte selber 15 Jahre lang Kaninchen und es hat mir jedes mal das Herz gebrochen, wenn ich mit meinen eigenen Kindern bei den Häschen war. Wir haben die beiden monatelang systematisch nachmittags zu uns in den Auslauf geholt (hatten früher Wachteln und rund dadurch gute ausgestattet) und haben sie vor allem mehrmals die Woche gefüttert. Mit systematisch meine ich wirklich im Hochsommer neu 30 Grad unseren Sonnenschirm für Schatten in Stall zu den Nachbarn geschleppt, die leeren Trinkflaschen befüllt und nicht nur bei jedem Einkauf Frischfutter für die Häschen zu besorgen, sondern sogar in unsrem Urlaub andere Nachbarn zu bitten, ob sie mal nach den Kaninchen gucken können.
Mit den Besitzern hatte ich natürlich mehrmals gesprochen- die hatten nicht einmal gemerkt, dass der bissige Kaninchen so bis auf die Knochen abgemagert war, dass die Hüftknochen herausstanden und jeder Rückenwirbel zu spüren war. Wir haben ihn dann besonders gut gefüttert. Das Weibchen wurde besser versorgt- der Reiz des neuen schätze ich mal. Oder weil das nicht so bissig war.
Ich habe meine Kinder mehrmals die Woche mit Futter zu den Nachbarshäschen geschickt. Eines Tages kam meine Tochter völlig aufgelöst nach Hause- sie hatte das tote Weibchen gefunden. Es war verhungert. Kein Wasser, kein Futter, kein Heu und nichtmal noch so essbare Filtzel von Stroh in Stall.
So sehr lange Herleitung: seit diesem Tag wohnt das Männchen bei uns. Wir haben ihn ganz langsam weiter aufgepäppelt, sodass er mittlerweile rund, wohlgenährt und an Frischfutterb gewöhnt ist.
Jetzt habe ich ganz frisch mit der Nachbarin abgesprochen, dass er offiziell uns gehört. Alternativ hatte ich mit Veterinäramt gedroht)
Er ist jetzt fit und gesund. Wir möchten ihn kastrieren lassen und dann vergesellschaften. Die Nachbarin erzählte, dass die Schwester von ihm bei ihrer Mutter wohnt- auch alleine. Ich weiß nicht, ob schon immer alleine oder ob sie erst zu zweit waren. Ich habe direkt gefragt, ob wir sie nicht vielleicht auch haben können- dürfen wir!
Jetzt steht uns also nach der Kastration und der einen Wartezeit danach eine Vergesellschaftung vor. Allgemeine Infos oder Tipps dazu brauche ich nicht- ich würde sagen ich kenne mich mit Kaninchen recht gut aus. Ich hatte aber noch NIE ein Tier aus so katastrophaler Haltung und mit so einer Leidensgeschichte hinter sich.
Was passiert, wenn 2 so lange alleine gehalten Tiere aufeinander treffen ?
(Eigentlich wollten wir eine Partnerin aus dem Tierheim. Da ist aktuell nur eine mit gesundheitlicher Belastung in Außenhaltung. Jetzt wo ich gehört habe, dass da noch ein Kaninchen alleine vor sich hinleidet, möchte ich dieses unbedingt auch "retten". Auch wenn es vielleicht schwieriger ist, wenn 2 Tiere, die in den letzten Jahren keinerlei Sozialverhalten ausüben konnten aufeinander treffen. Hatte schon überlegt, besser eine Dreiergruppe Kaninchen zu machen mit einem gut sozialisierten dabei- das wäre mir dann aber doch zu viel. )
Hat jemand Erfahrung damit, 2 jahrelang alleine lebende Häschen zu vergesellschaften?
Ich hoffe, dass der sehr territoriale, bissige Bock nach der Kastration und in einem neutralen Gehege nicht mehr so aggressiv ist. Er war aber wohl schon als Babykaninchen der wildesten und frechste aus dem Wurf. Aber auch so- bei der schlechten Behandlung als lebendiges Spielzeug wird wohl je bissig...
Liebe Grüße
PS: Die Nachbarn sind eigentlich sehr nett nur völlig überfordert vom Leben. Ich werde sie nicht anzeigen o.ä. sie hatten vor 2 Monaten eine ganz schön eklatante Krise und waren über den Tod des Weibchens selber erschrocken. (Auch wenn sie sich davor auch nicht vernünftig gekümmert haben)


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Ich hatte den Eindruck, dass sie Unterwerfungsgesten und Putzen sprich Kaninchensprech gar nicht kannte oder komplett verlernt hatte. Du hast also evtl. 2 Kaninchen mit schlechter Sozialisation da sitzen - wenn sie sich nicht schwer zerbeißen gleich am Anfang und ihr viel Geduld habt, kann es trotzdem harmonisch werden, nur dauert es eben viel länger. Ihr müsst dann echt geduldig sein.
Ein Faktor: wenn ihr ihn jetzt kastriert, könnt ihr die beiden ja erst Ende Februar zusammensetzen, dann ist Hauptfortpflanzungszeit bei Kaninchen, sprich Hormone gehen dann hoch.




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